JSWD Architekten, Köln mit Chaix & Morel et Associés, Paris und architecture & aménagement s.a. Bertrand Schmit, Luxemburg erhalten den 1. Preis beim internationalen Architektenwettbewerb für den neuen Verwaltungssitz der Europäischen Kommission in Luxemburg.

 

Das Bâtiment Jean Monnet 2 folgt den Leitgedanken des Masterplanes für das Gebiet des Plateau de Kirchberg. Die 6-8 Geschosse hohe Bebauung des 1. Bauabschnitts schafft dabei große Qualitäten hinsichtlich der Gestaltung des öffentlichen Raumes. Der 24 - geschossige Hochpunkt und der 8 – geschossige gegenüberliegende Baukörper wird im 2. Bauabschnitt realisiert. Vor dieser Kulisse entsteht ein großzügiger, verkehrsberuhigter Platzraum. Im Innenbereich definiert die flache Mantelbebauung zusammen mit dem Turm eine langestreckte “Freiraum - Achse“ mit einer spannungsvollen Abfolge von Terrassen, Plätzen und Höfen. Diese Achse ist das Herzstück des neuen Gebäudes. Sie ist ein besonderer Erlebnisraum von eindrucksvoller Klarheit, mit großer atmosphärischer Ausstrahlung in das direkte öffentliche Umfeld und in die angrenzenden Büros.

Ein besonderes Augenmerk richtet der Entwurf auf die neuen Arbeitswelten der Mitarbeiter im Bâtiment Jean Monnet 2. Die Gestaltung der Büroebenen ist darauf angelegt, die Kommunikation unter den Mitarbeitern zu fördern. Hierfür sorgt eine Vielzahl von Atrien, die natürliches Licht in die Mittelzonen der Büros lenken und die Blickbeziehungen über mehrere Etagen erlauben. Die Perspektiven zeigen eindrucksvoll, dass es gelingt, eine Büroatmosphäre zu kreieren, die zukunftsorientiertes Arbeiten im Dialog fördert.

Auch die Konferenzzone, das Gästerestaurant, die Bibliothek und das Mitarbeitercasino, mit einem Bereich für sportliche Aktivitäten, setzen das Prinzip „Kommunikation im direkten Arbeitsumfeld“ fort. Die Sonderfunktionen sind für jeden Mitarbeiter schnell erreichbar, denn sie sind unmittelbar an die zentrale Freiraumachse angekoppelt.

Den hohen Standards der Auslobung im Bezug auf Nachhaltigkeit stehen kluge Konzepte der Architekten und Ingenieure gegenüber. Das Ziel ist es den sogenannten Passivhausstandard, bei dem der Energiehaushalt des Gebäudes auf ein Minimum begrenzt wird, zu erreichen. Bei der Verfolgung dieser Ziele stehen die Nutzerbedürfnisse im Vordergrund. Die Klimatisierung der Büroräume ist beispielsweise weitgehend passé. Die Frischluftzufuhr erfolgt über Fensterlüftung, über die auch die passive Nachtauskühlung des Gebäudes bewerkstelligt wird. Die Erzeugung von Wärme aus Primärenergie ist nur noch bedingt erforderlich. Anstatt dessen werden beispielsweise die hohen Wärmelasten aus dem Rechenzentrum genutzt. Regenerative Energien werden über Solarkollektoren auf den Dachflächen gewonnen.

Die Architekten legen großen Wert darauf, dass die Elemente der Gestaltung sich mit den Gedanken zum Energiekonzept verbinden. Ein Beispiel hierfür ist der äußere Sonnenschutz, der das Gebäude vor Überhitzung im Sommer schützt, gleichzeitig aber Wärmegewinne im Winter durch das einfallende Sonnenlicht zulässt. In gestalterischer Hinsicht vermittelt der Sonnenschutz den Eindruck eines filigranen und kleinteiligen Fassadenmantels der die Gebäudestruktur sanft umhüllt und ihr einen Maßstab gibt.

 

Bereits durch die Zusammensetzung des Teams kommt die Grundhaltung der Architekten zur Lösung der gestellten Aufgabe für ein „Europäisches Haus“ zum Ausdruck. Die Gemeinschaft leitet ihre jeweiligen Büros im Großherzogtum Luxemburg, in Frankreich und in der Bundesrepublik Deutschland. Diese Länder sind Nachbarn im Zentrum Europas. Aus dem Nachbarschaftsgedanken formt sich eine „Liaison Européenne“, die die Grundlage für eine architektonische Vision mit europäischem Esprit bildet.

Dem Team kommt dabei zugute, dass es bereits große Erfahrung auf dem Gebiet des Planens und Bauens im Großherzogtum Luxemburg hat. JSWD Architekten und Chaix & Morel et Associés gewannen Ende 2005 den großen städtebaulichen Wettbewerb „Luxembourg Gare - un quartier de ville“. Der preisgekrönte Entwurf wurde von beiden Büros, für die Stadt Luxemburg in einen Masterplan umgesetzt. Das Atelier von Bertrand Schmit ist bereits in zweiter Generation in Luxemburg tätig und hat große Erfahrung und Erfolge in der Durchführung von Verwaltungsbauten aufzuweisen.

JSWD Architekten und Chaix & Morel et Associés vollendeten gemeinsam im Frühsommer dieses Jahres die neue Hauptverwaltung für ThyssenKrupp in Essen. Das Bauvolumen ist vergleichbar zum Bâtiment Jean Monnet 2. Die Architekten-Arge zeigte mit diesem Werk ihre Fähigkeit, große Bauvorhaben abzuwickeln und dabei außerordentliche Impulse zur zeitgenössischen Baukultur, im grenzübergreifenden Dialog zu entwickeln. Das mehrfach preisgekrönte Projekt zeichnet sich unter anderem auch durch seine Konzepte zum „Nachhaltigen Bauen“ aus, was wiederum Analogien zur Bauaufgabe in Luxemburg aufweist.

 

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